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Traumlandschaften

Der Besucher betritt das verlassene Arbeitszimmer eines Dichters. Es offenbart sich ein trostloser und chaotischer Anblick. Unfertige Entwürfe und liegen gelassene Arbeit türmen sich in den Räumen und auf dem Arbeitsplatz. Wer mag wohl hier am Werk gewesen sein?
Am Ende eines Ganges thront ein Sessel. Wir nähern uns diesem und merken wie mit jedem Schritt der Raum ein wenig mehr zum Leben erwacht. Wir setzen uns schließlich hin und plötzlich verwandelt der Raum sich in eine mystische Traumwelt. Wasserprojektionen, Farb- und Schattenspiele zeichnen abstrakte Formen in den Raum. Die letzten Zeilen des Dichters erklingen und lassen uns in eine andere Welt eintauchen.
... Bis wir uns erheben und sich der Raum wieder abrupt in seiner grauen Tristesse darstellt.

Traumwelt und Realität. Bild: Kevin Röhl
Das Arbeitszimmer des Dichters. Bild: Kevin Röhl

Pariser Traum

An Constantin Guys


Von jenem fremden Land, das nimmer Ein sterblich Auge noch erblickt, Hat diesen Morgen mich ein Schimmer, Ein zartes, fernes Bild erquickt. An Wundern schwer sind unsre Träume! Durch eine Laune fremd und irr Bannt' vom Gemälde ich der Bäume Und Pflanzen regellos Gewirr. Und, froh im Bild dies zu erreichen, Genoss mein stolzes Malerherz Den Rausch des Fahlen, Ewiggleichen, Das strömt aus Wasser, Stein und Erz. Babylons Treppen und Arkaden, Ein Riesenschloss, wo Wunder blühn, Wo Quellen leuchten, und Kaskaden In matte, goldne Becken sprühn. Wo Wasserfälle niederrauschen Und wie ein Vorhang von Kristall Sich schimmernd um die Mauern bauschen, Die glatten Mauern aus Metall. Nicht Bäume, sondern Kolonnaden Umgaben ernst den stillen Teich, Drin sich gigantische Najaden Spiegelten, schönen Frauen gleich. Und weite, blaue Wasser zogen Entlang am rosig grünen Strand, Umspülend mit den leichten Wogen Des weiten Weltalls fernstes Land. Und es gab Steine, deren Flimmer Ganz unerhört, gab magische Flut, Gab Eis, in dessen mattem Schimmer Die ganze Welt gespiegelt ruht. Und Riesenströme flössen schweigend Durch dunkles Ätherblau bei Nacht Und gossen, ihre Urnen neigend, Strahlen in diamantnen Schacht. Erbauer dieser Herrlichkeiten, Liess ich nach meinem Wunsch und Plan Durch den smaragdnen Tunnel gleiten Das Weltmeer, das mir Untertan. Und alles, selbst das Schwarz erglühte Geschliffen, schillernd, blank wie Stahl, Und aus den hellen Fluten sprühte Ein leuchtender kristallner Strahl. Kein Stern, ringsum, kein Himmelszeichen, Kein Sonnenschein, der drauf geruht, Die Dinge all, die überreichen, Erstrahlten in der eignen Glut! Und über diese Welt ergossen, Die einzig nur dem Aug' geweiht Und (grausam Spiel) dem Ohr verschlossen, Lag Schweigen der Unendlichkeit. II Erwachend, noch vom Schau'n geblendet. Fand ich in öder Kammer mich, Und in mich selbst zurückgewendet Fühlt' ich der Sorgen scharfen Stich. Die Uhr mit wuchtig harten Schlägen Schlug Mittag, und vom Himmelszelt Sank Finsternis und grauer Regen Langsam auf die erstarrte Welt.

Charles Baudelaire